Fast täglich kamen Flüchtlinge
Wiederaufnahme 2018
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«Ich hätte das Land gern flach»

Nach dem gleichnamigen Roman von Christoph Keller

Uraufführung im Theater Roxy Birsfelden 7.11.07 - 16.11.07


Ein Mann erschiesst im Restaurant "National" in Bern einen Schweizer Bundesrat. Als er wenige Tage später verhaftet wird, stellt sich heraus, dass es sich um den braven, bislang unbescholtenen Beamten Wilhelm Gess handelt. Nach seinen Motiven befragt, schweigt er sich hartnäckig aus und richtet sich gelassen im Gefängnis ein. Um den Gründen des Attentats auf die Spur zu kommen, wird das Leben und die Tat des Wilhelm Gess rekonstruiert. Die Familienmitglieder des Attentäters und Tatzeugen kommen zu Wort. Wilhelms Tat fungiert als Auslöser, reisst schlecht verheilte Wunden aus der Vergangenheit auf und rückt die höchst problematischen Beziehungen und Konflikte der Familienmitglieder ins Zentrum. Hat der Vater die Mutter zu einer Schiessübung gezwungen, oder hat sie von sich aus den Versuch gestartet, um ihm etwas zu beweisen? Hat die Schwiegertochter an dem Abend einen Whiskey nach dem anderen heruntergeleert, oder hat der Vater ihr gar nichts angeboten, wie sie behauptet? Es ist nicht etwa die mediale Vermittlung, welche hier das Geschehene verfälscht oder erfindet, sondern die eigene Wahrnehmung und das selektive Erinnerungsvermögen der Befragten. Die Tat wird zur Projektionsfläche persönlicher und gesellschaftlicher Ängste und Wünsche. Die Bühnenbearbeitung, in der Interviews mit Familienmitgliedern und Zeugen, Monologe und zu Dialogen verwobene Szenen gegenübergestellt werden, geht der Frage nach Wahrheit und Fiktion nach. Auch wenn klar ist, wer der Mörder ist, es bleibt das Aufspüren einer Familiengeschichte - und das ist spannend wie ein Krimi.

«Was soll's? Er hat den Apfelschuss korrigiert. Die zeitgenössische Version dieses lästigen Mythos, der uns hindert, eine moderne Nation zu sein. Ich sage nur: Bravo Wilhelm!» (Vater)

«Wen willst du wegbomben, um etwas zu ändern? Es gibt keinen plausiblen Grund, einen Bundesrat zu töten, ganz einfach deshalb, weil er nichts verkörpert. Geht einer, kommt der nächste.» (Anwalt)

«Dieser Soziotypus weist keine Prädisposition für eine Gewalttat auf. Für die psychologische Interpretation ein hoffnungsloser Fall. Ich sage Ihnen, was es war. Der St.Galler Föhn, dieser unsichtbare Kerker. Der vermaledeite Föhn, der hier alle langsam in den Wahnsinn treibt.» (Psychologe)

«Mit diesem Schuss hat er sich von seiner Mittelmässigkeit befreit.» (Bruder)


Spiel: Jaap Achterberg, Simon Grossenbacher, Patricia Nocon, Suzanne Thommen, Verena Zimmermann

Regie und Konzeption: Sasha Mazzotti, Bühne und Konzeption: Heini Weber, Kostüme: Bozena Civic, Musik/Ton: Thomas Baumgartner, Dramaturgie: Boris Brüderlin, Licht: Andrea Kramer, Produktionsleitung: Heini Weber, Regieassistenz: Dominique Lüdi, Produktionsassistenz: Mario Willy

Unterstützt durch:
Unterstützt durch: Fachausschuss Theater + Tanz BS/BL, Ernst Göhner Stiftung, GGG, Sophie und Carl Binding Stiftung, Stiftung der Schweizerischen Landesausstellung 1939, Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank, ELCO, Brockenbude Glubos, Restaurant Hirscheneck, Weleda AG, u.a.

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Ungekürzter Text von Christoph Keller zur aktuellen politischen Situation und zu seinem Roman