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Baslerstab vom 27.5.2004

Wenn Papa zum Räuber wird Basil Erny, in grüner Jogging-Jacke und oranger Hose, ist einem sofort sympathisch. Vielleicht, weil er die gleiche Frisur hat wie sein Töchterchen: Auch die Haarsträhnen der einjährigen Moyra werden von farbigen Gummibändern zusammengehalten und stehen fröhlich vom Kopf ab. Aber eigentlich ist Basil Erny, zumindest momentan, ein Raubmörder. Und eigentlich auch schon seit 300 Jahren tot. Erhängt durch den Strang. Der 35-jährige Basler lässt Samuel Kestenholz im Stadtrundgang „Niemand war schon immer da“ auferstehen. Letztes Jahr führte er 120 Mal durch die Basler Altstadt. Jetzt wird das Stück wieder aufgenommen. Am Dienstag schlüpft Basil Erny wieder in das Bettlerhemd, das inzwischen gewaschen und deshalb laut Erny „viel zu sauber“ aussieht. Nasenstecker und Ohrring entfernt der Schauspieler, wenn er sich für seine Rolle schminkt. Haare müssen wirr sein Auch die Gümmeli verschwinden vom Kopf: Sein Haar verwuselt er mit Hilfe von Gel. Viel Gel. „Es muss wirr sein!“ Die Haare sind dafür fast etwas zu lang, doch zu seiner Coiffeuse sei er noch nicht gegangen, weil die nur schön schneiden könne. „Und ich sollte doch einen Raubmörder aus dem 17. Jahrhundert spielen“ Ab nächster Woche wird sich Basil Erny also wieder verkleidet aufs Velo schwingen und mitsamt seinem Akkordeon zum Ausgangspunkt des Rundgangs, der Leonhardskirche, radeln. „Ich weiss nicht, was die Nachbarn über mich denken“, sagt Erny grinsend, mit einem Blick auf die Hintergärtchen in der Bergalingerstrasse. Der Stadtrundgang zeigt auf, dass alle Vorfahren der heutigen Baslerinnen und Basler einmal fremd in der Stadt waren. „Bekannte Familien wie die Bernoullis oder die Sarasins kamen im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Krieg als Flüchtlinge hierher“, erzählt Erny. Das Thema „Migration“ beschäftigte ihn bereits als Primarlehrer. Er unterrichtete im Kleinbasler Dreirosenschulhaus. Nach fünf Jahren hörte er dort auf und kellnerte für ein halbes Jahr. Dann tourte er mit dem Theaterzirkus Wunderplunder, der mit Kindern, Jugendlichen und Behinderten Stücke inszeniert. Zelte aufbauen, Traktor fahren, Mittelbeschaffung: Sie seien „rund um die Uhr am Krüppeln“ gewesen. „Für 1000 Stutz im Monat.“ Im Zirkus verliebt Und doch habe es ihm „den Ärmel reingenommen“, erinnert sich Erny. Und verliebt hat er sich auch: in Orsina, die ebenfalls im Zirkus engagiert war. Heute haben sie zwei Kinder, Moyra und Bela, und laut Erny viel Zeit für sie. „Aber es braucht viel Energie, um dem Leben eine Struktur zu geben.“ Plötzlich sei er wegen einer Theater-Projektwoche für ein paar Tage weg. Mit einem Kollegen tritt er zudem an Firmen- und Familienanlässen auf: „Auch dafür muss geprobt werden.“ Wie lange er so leben kann, weiss Erny nicht. „In diesem Metier ist es schwierig zu planen. Und jetzt, mit der Familie“ Während der Papa nach dem Fototermin versucht, seinen Nasenschmuck wieder anzustecken, wandert der zweieinhalbjährige Bela mit seiner gefüllten roten Giesskanne zielstrebig vom Garten in die Wohnung. Und der Raubmörder wird endgültig wieder zum Papi. Regula Wenger 1. Juni bis 31. Aug., jeweils dienstags und donnerstags, 20 Uhr. Reservation erforderlich! Tel. 076 367 94 94 oder niemand@exex.ch